Interview mit dem MONDKNOTEN
Der MONDKNOTEN zu Gast bei Andrea Moutty
Aus der Rubrik "Planeten-Interview" - veröffentlich im Astrologie-Magazin ASTRO:blick, Ausgabe August / September 2026
Der Mondknoten gehört zu den geheimnisvollsten Größen der Astrologie. Man kann ihn nicht am Himmel sehen und doch sprechen Astrologinnen und Astrologen seit Jahrhunderten über seine besondere Bedeutung. Also ist es Zeit für ein Gespräch voller überraschender Antworten, anschaulicher Bilder und praktischer Impulse für den Alltag.
Andrea: Lieber Mondknoten, ich freue mich sehr, dass du heute unser Gast bist. Ehrlich gesagt bist du einer der geheimnisvollsten "Bewohner" am Himmel. Viele kennen Sonne, Mond und Planeten. Aber wenn dein Name fällt, wird es plötzlich still. Manche denken sofort an Karma, andere an Schicksal. Dabei bist du nicht einmal ein Planet. Wer bist du eigentlich?
Mondknoten lacht: Das stimmt. Ich habe weder eine feste Oberfläche noch leuchte ich am Himmel. Mich kannst du mit keinem Teleskop sehen. Und trotzdem sprechen Astrologen seit Jahrhunderten über mich.
Ich bin dort zu Hause, wo sich zwei große Wege begegnen. Genauer gesagt dort, wo sich die Bahn des Mondes mit der scheinbaren Bahn der Sonne kreuzt. Ich bin also keine Kugel aus Gestein oder Gas. Ich bin ein Schnittpunkt. Eine Kreuzung. Ein Ort der Entscheidung.
Vielleicht macht mich genau das so spannend. Denn an Kreuzungen fragt das Leben nie: "Wo warst du?" Es fragt: "Welchen Weg möchtest du von hier aus gehen?"
Andrea: Und trotzdem bist du scheinbar immer rückläufig unterwegs. Kein anderer Himmelskörper macht das so konsequent wie du. Warum eigentlich?
Mondknoten: Das ist wahrscheinlich die Frage, die ich am häufigsten höre. Viele glauben, ich würde rückwärts gehen. Das tue ich aber tatsächlich nicht immer. Viel wichtiger ist jedoch die Symbolik dahinter.
Schau einmal in dein eigenes Leben. Wie oft entsteht wirkliche Entwicklung dadurch, dass du einfach nur schneller nach vorne läufst? Eher selten, oder?
Meist beginnt Entwicklung damit, dass du innehältst. Dass du zurückblickst. Dass du erkennst, warum sich bestimmte Situationen immer wiederholen. Erst wenn du das verstanden hast, kannst du wirklich neue Wege gehen. Deshalb passe ich so gut zur Rückläufigkeit. Ich bin nicht derjenige, der euch antreibt. Ich bin derjenige, der euch erinnert.
Andrea: Ahhh, das gefällt mir. Du erinnerst uns also. Aber an was?
Mondknoten: Ja. Ich frage euch nicht: "Wie schnell bist du?" Ich frage: "Hast du verstanden?" Das Leben wiederholt manche Themen nicht, weil es euch ärgern möchte. Es wiederholt sie, weil ihr jedes Mal etwas freier werden könnt, wenn ihr euch eure Reaktionen und euer Verhalten anschaut.
Andrea: Dann kommen wir zwangsläufig zum Karma. Kaum fällt dein Name, fällt auch dieses Wort. Viele scheinen dabei allerdings eher ein mulmiges Gefühl zu bekommen. Andere verstehen gar nicht, was das sein soll.
Mondknoten: Dabei tut dieser Ruf dem Karma völlig unrecht. Karma ist keine Strafe. Und es ist auch keine Belohnung. Karma ist Erinnerung. Stell dir einen Wanderweg vor. Immer wieder kommst du an dieselbe Weggabelung. Jedes Mal darfst du neu entscheiden. Wenn du immer denselben Pfad nimmst, wirst du wahrscheinlich auch immer wieder dieselbe Landschaft erleben. Wenn auch mit immer anderen Erlebnissen und Gefühlen oder Emotionen. Erst wenn du einmal den anderen Weg ausprobierst, entdeckst du etwas tief Neues. Genau dabei begleite ich euch. Ich schreibe niemandem sein Schicksal vor. Ich zeige nur die Kreuzung. Wählen und gehen müsst ihr selbst.
Andrea: Das heißt, wir haben viel mehr Freiheit, als viele glauben? Da gibt es ja viele Theorien dazu.
Mondknoten: Unbedingt. Astrologie beschreibt Möglichkeiten. Sie nimmt niemandem die Entscheidung ab. Man könnte sagen, ich halte euch eine Landkarte hin. Laufen müsst ihr selbst. Und manchmal entscheidet schon ein einziger kleiner Schritt darüber, ob euer Leben in fünf Jahren ganz anders aussieht.
Andrea: Jetzt bist du gerade frisch in den Wassermann gewechselt. Das letzte Mal warst du Ende 2007 dort. Erinnerst du dich noch daran?
Mondknoten: Oh ja. Damals begann eine Zeit, in der Menschen sich auf völlig neue Weise miteinander vernetzten. Smartphones wurden selbstverständlich. Soziale Medien veränderten unseren Alltag. Wissen begann in Lichtgeschwindigkeit um die Welt zu rasen. Damals ging es vor allem darum, Möglichkeiten zu entdecken. Möglichkeiten in einer Community, beispielsweise. Auch die Entscheidung, “Wobei mache ich mit? Wo gehe ich meinen eigenen Weg?” Das war völlig neu. Heute schließe ich einen Zyklus ab und ihr steht an einem anderen Punkt. Jetzt geht es unter anderem darum, verantwortlich damit umzugehen. Der Wassermann fragt nicht mehr: "Was ist technisch möglich?" Er fragt: "Was ist menschlich sinnvoll?" Das ist ein großer Unterschied.
Andrea: Viele verbinden den Wassermann sofort mit Technik.
Mondknoten: Technik ist nur das Werkzeug. Mich interessiert etwas anderes. Mich interessiert, was Menschen miteinander erschaffen. Ob sie Wissen teilen. Ob sie neugierig bleiben. Ob sie einander zuhören. Ob Freiheit nur bedeutet: "Ich mache, was ich will."
Oder ob Freiheit auch heißt: "Ich trage Verantwortung für das Ganze." Genau dort beginnt für mich der eigentliche Wassermann. Und hier will ich jeden einzelnen ansprechen. Nicht nur “die anderen”. Denn auf die Verantwortung der anderen schaut ihr gerne und schnell. Doch was ist mit der eigenen, persönlich umsetzbaren Verantwortung?
Andrea: Ja, aber was ist denn dann Karma? Und wann ist eine Situation karmisch? Wenn ich dich ohne Antwort aus diesem Interview entlasse, bekomme ich bestimmt Ärger mit meinen Leser:innen.
Mondknoten kichert: Oh, das wollen wir auf gar keinen Fall. Ich glaube, das Wort Karma gehört zu den am meisten missverstandenen Begriffen überhaupt. Viele denken sofort an eine Art himmlisches Punktesystem. Wer brav war, wird belohnt. Wer Fehler gemacht hat, wird bestraft. Aber so arbeitet das Leben nicht. Für mich ist Karma eher ein Lernweg.
Stell dir vor, du lernst Fahrrad fahren. Beim ersten Mal wackelst du, beim zweiten Mal vielleicht auch noch. Irgendwann hast du verstanden, wie du das Gleichgewicht hältst. Niemand muss dir diese Lektion dann noch einmal schicken. Mit den Lebensthemen ist es ähnlich. Eine Situation wird karmisch, wenn sie dich an einen Punkt führt, den du innerlich noch nicht ganz verstanden hast. Dann tauchen ähnliche Menschen, ähnliche Entscheidungen oder ähnliche Gefühle immer wieder auf. Nicht als Strafe, sondern als Einladung, etwas Neues auszuprobieren. Auch du selbst hast dieses Beispiel schon oft erlebt. Wie jeder gerätst auch du an Menschen, die deine Geduld auf die Probe stellen. Oder du hast das Gefühl, immer wieder vor derselben Entscheidung zu stehen. Dann lohnt es sich, nicht nur zu fragen: "Warum passiert mir das?", sondern vielmehr: "Was möchte das Leben mir hier zeigen?"
Genau an dieser Stelle beginnt für mich Karma. Es geht nicht um Schuld oder sogar um “selbst schuld”. Es geht um Bewusstsein.
Andrea: Das heißt, Karma ist gar nichts, wovor wir Angst haben müssten?
Mondknoten: Ganz im Gegenteil. Karma ist eigentlich eine zweite Chance. Oder eine dritte, vierte, fünfte ... (lacht). Das Leben ist erstaunlich geduldig. Es legt dir dieselbe Aufgabe nicht hin, um dich zu ärgern, sondern weil es möchte, dass du erkennst, wie viel freier du inzwischen geworden bist. Erst wenn du anders reagierst als früher, verändert sich auch das Ergebnis. Dann wird aus einer karmischen Schleife eine Entwicklung. Und genau dafür stehe ich. Ich erinnere euch nicht an eure Fehler. Ich erinnere euch an euer Wachstum.
Andrea: Und was können wir mit der Mondknotenachse anfangen? Warum gibt es den aufsteigenden und den ab-steigenden Mondknoten?
Mondknoten: Weil Entwicklung nie nur in eine Richtung funktioniert. Du musst wissen, wo du gestartet bist, um zu verstehen, wohin dein Weg führt. Genau so arbeite ich.
Der Südknoten erzählt von deinen Erfahrungen. Von Fähigkeiten, Gewohnheiten und Verhaltensweisen, die dir vertraut sind. Dort bewegst du dich oft ganz selbstverständlich. Das kann ein großer Schatz sein. Schließlich hast du dort schon viel gelernt.
Der Nordknoten dagegen zeigt die Richtung, in die dein Leben wachsen möchte. Dort wartet selten die größte Bequemlichkeit, aber oft die größte Entwicklung. Deshalb bilden wir beide eine Achse. Sie verbindet Vergangenheit und Zukunft, Vertrautes und Unbekanntes, Erfahrung und Wachstum. Und auch deine Erfahrungs-Werkzeuge.
Andrea: Was würdest du unseren Leserinnen und Lesern für deine Zeit im Wassermann besonders ans Herz legen?
Mondknoten: Viele glauben, sie müssten immer dieselbe Sicht vertreten, um sich selbst treu zu bleiben. Oder der Umwelt. Auch denen, denen sie etwas versprochen zu haben glauben. Ich sehe das anders. Hab den Mut, deine Meinung weiterzuentwickeln. Wer lernt, verändert sich. Wer zuhört, verändert sich. Wer Fragen stellt, verändert sich. Das ist keine Schwäche. Das ist Wachstum. Und vielleicht ist genau das das größte Geschenk, das ich euch mitbringe. Nicht die Gewissheit. Sondern die Neugier.
Andrea: Lieber Mondknoten, ich glaube, viele werden dich nach diesem Gespräch mit ganz anderen Augen sehen.
Mondknoten: Das würde mich freuen. Denn ich bin kein geheimnisvoller Richter am Himmel. Ich bin eher ein alter Wegweiser. Einer, der an einer Kreuzung steht und freundlich lächelt. Und jedes Mal dieselbe Frage stellt: "Möchtest du den vertrauten Weg noch einmal gehen? Oder bist du bereit, heute etwas Neues über dich zu entdecken?"
Andrea: Was für ein herausforderndes Schlußbild. Ufff. Herzlichen Dank für dieses inspirierende Gespräch!
Mondknoten: Ich danke dir. Und euch allen wünsche ich den Mut, neugierig zu bleiben. Nicht alles muss sofort verstanden werden. Manches möchte erst erlebt werden. Genau darin liegt oft die schönste Form des Lernens. Aber bitte: Schaut euch eure Mondknotenachse an. Damit ihr nicht richtungslos durch euer Lebens-Meer schippert. Denn viele von euch fällen Entscheidungen aus ihrer Vergangenheit heraus.
Was ihr jedoch braucht ist Zukunft. Und der Wassermann möge euch alle daran erinnern.
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